Kenneth Dart (aka. Die Schlucht)

Der Wecker klingelt fies, Aeschi ist schon längst wach. 

Die kontroversen Aussagen zur Waiora Gorge, der Mythos darum und fehlende verlässliche Infos haben weder Aeschi noch mich wahnsinnig gut schlafen lassen. Wir wissen nicht genau, was zu erwarten ist und sind gespannt, wie sich der Tag gestalten wird.

Mathildas Nachtparkplatz

Der erste Camper mit Velo passiert uns kurz nach sieben, einige andere Autos folgen. Um viertel vor acht passieren auch wir das grüne Gatter und auf privates Land, wo die Gorge und der entsprechende Park sind.

Nach 3 km Weg erreichen wir den Parkplatz; rund die hälfte der auf 22 Personen limitierte Gruppe ist bereits da. Alle sind in den letzten Vorbereitungen, schrauben an Velos, packen Rucksäcke oder schmieren Sandwiches. Ich schau mich um und bin mir sicher, die schlechteste Fahrerin weit und breit zu sein. Es macht mir etwas Bauchweh, dass wir in Gruppen fahren werden – so sind die Park-Regeln.

Die anderen 20

Gegen 8 gibt es ein Briefing vom Shuttle-Fahrer: Jeder Teilnehmer kriegt ein Nummernschild, das am Lenker zu befestigen ist. Immer in Gruppen fahren, jede erhält 2 Funkgeräte, um mit den andern und dem Fahrer in Kontakt bleiben zu können. Dazu erhält jeder noch eine Karte mit Höhenlinien, den Trails, deren Schwierigkeitsgrad und Länge/Gefälle. Sonst Anweisungen oder Tips gibt’s keine, dürfen nicht gegeben werden. Schaut selber.
Aeschi holt unsere Nummern und meldet uns als 2-er Gruppe an – das funktioniert zum Glück. Ich pack das Funki in meine Bikehosen – wir sind soweit parat. 

Alle quetschen sich auf den Truck, die Velos sind auf dem Anhänger befestigt. Irgendwie geht’s allerdings nicht auf – es sind 25 Personen vor Ort, obwohl nur 22 hier sein dürften! Was genau das Problem ist, finden wir bis heute nicht heraus – offenbar wurde der Tag mit 2 Personen überbucht und einer schien sich gar nicht angemeldet zu haben? Wir wissen es nicht – irgendwie löst sich die Situation dann aber und es geht los. 

Der «Lift»
Die Waiora Gorge
Das Land gehört der «RHL NZ Limited», hinter dieser steht – nicht ganz offiziell, aber doch klar – Ken Dart, ehemals Amerikaner, welcher aber aus steuerlichen Gründen seine Staatsbürgerschaft dort aufgegeben hat, Bürger von Cayman Islands, Belize und Irland ist, und dessen Vermögen auf 6.6 Milliarden USD geschätzt wird – und Mountainbiker ist.
Ken hat sich hier 2010 für ca. 30 Millionen einen persönlichen Bikepark mit 70km Trails bauen lassen, welcher bis vor einem Jahr auch bloss einmal jährlich «öffentlich», während eines Rennens mit 150 Teilnehmern, zugänglich war. Neu darf man sich als Normalsterblicher und Mitglied des «Nelson MTB Clubs» an jeweils Freitag, Samstag und Sonntag gegen Bezahlung einen der 22 Plätze ergattern. Da muss man einfach hin!
Der Plan

… schüttelnd gehts während etwa 25 Miuten mit 4×4 Antrieb und Untersetzung im Mitsubishi Canter erst durch den Fluss und dann die fast überhängende Schotterpiste hoch. Schon die Fahrt ist eine Strapaze für Muskulatur und Sitzfestigkeit, wohl auch für die Göppel auf dem hüpfenden Anhänger.

Von Tom hatten wir ein paar Tipps bezüglich Trails erhalten, und waren somit besser vorbereitet als die Meisten. Wir hatten dann auch schon einen Plan, welche Strecken wir für die ersten 2 Abfahrten wie zusammenhängen um hoffentlich einigermassen heile wieder an der Sammelstelle unten im Tal anzukommen, um eine Stunde später wieder auf den Laster zu kommen.

Geplant und ausgeführt. Alles halb so wild. Die Trails sind gut gebaut und die Schwierigkeitsstufen meist recht treffend. Zeitlich reicht’s auch und wir sind pünktlich die ca. 700hm runtergefahren, um uns wieder dem Geschüttle hoch auszusetzen. Welches die grössere Anstrenung ist, hoch hinten auf dem Laster oder runter auf dem Bike, ist mir bis jetzt noch nicht ganz klar …

T im Gelände

Der Shuttle fährt insgesamt 6 mal, d.h. es liegen maximal 6 Abfahrten drin. Dazwischen gibt’s eine superkurze Mittagspause (natürlich kann die jeder für sich selber verlängern und einen Shuttle verpassen), Aeschi und ich halten uns entsprechend kurz und fahren lieber noch etwas. 

Nach 4 Abfahrten ist für mich allerdings klar, dass die 5. meine letzte wird – glücklicherweise sieht Aeschi das genauso. Wir melden uns beim Fahrer ab und nehmen die letzte Fahrt Richtung Parkplatz in Angriff. Diese beinhaltet einen Trail, den wir bis anhin noch nicht gefahren sind. Wirklich schwierig ist der Rainbow Surfer nicht – allerdings sind meine Batterien auf tiefrot, ich ziemlich fertig und entsprechend unkonzentriert. Der neue Weg bereitet mir etwas Schwierigkeiten – ich bin zu müde, um neues zu probieren und schiebe meinen Göppel teilweise. 

Der schier nicht enden wollende Weg zeiht sich: Nach der Abfahrt gibts noch etwas zu Pedalen (zwar flach, aber mit Anstrengung verbunden), eine Hängebrücke zu überqueren und dann endlich erscheint das lang ersehnte End-Zeichen als Finish-Line. Der Titel steht auch für meinen Zustand – ich bin fix und alle.

T ist am Ende

Zum Glück erwartet und Mathilda mit kühlen Getränken im Frigo, so dass uns das Warten auf die restliche Truppe verkürzt wird. Erst, wenn alle wieder auf dem Parkplatz sind, wird das Gatter für die Rückfahrt geöffnet. 
Die Warterei wird etwas vermühsamt durch Sandfliegen und Nieselregen, was wiederum die Sandfliegen agressiver macht – wir warten lieber im Camper. 

Schlussendlich schaffen es dann alle heil auf den Sammelplatz, wir retournieren Funkgerät und Nummernschild und scheppern wieder 7 plus 3 km Schotterpiste zurück Richtung Nelson/Hira bis dann endlich der Teer beginnt. Unterwegs noch kurz Znacht einkaufen – ich geh heut nirgends mehr hin.

Wir zaubern uns Pasta mit Sugo, Salat und eine Flasche Wein, dazu einen Film – um 22 Uhr bin ich dann nur noch zum Schlafen zu haben. Alles in allem ein gelungener Tag, der nicht halb so viel Gedanken im Vorfeld gebraucht hätte.